
Sommertheater kann so herzerfrischend sein: Mit der feschen krachledernen Operetten-Revue “Im Weißen Rössl” sind die Schlossfestspiele Sondershausen erfolgreich in die vierte Saison gestartet. Leichte Kost, Ferienstimmung, Ohrwürmer und eine gehörige Portion Humor - dieses Rezept ging mit Ralph Benatzkys Singspiel in der Nordthüringer Musik- und Residenzstadt voll auf.

Unter der musikalischen Leitung von Pit Uhden präsentierte sich ein spielfreudiges, gut eingestimmtes und bestens aufgelegtes Festspielensemble im Sondershäuser Schlosshof. Die Residenzkulisse taugt dabei trefflich als Rahmen für das launige Lustspiel mit den allseits bekannten Gassenhauern. Zudem spart die Festspiel-Produktion des Theaters Nordhausen und des Loh-Orchesters Sondershausen nicht mit originellen Gags und Überraschungen bei dem alpenländischen Rührstück.
Puschelnde Cheerleaders, ein singendes Männerballett, ein tanzende Kuh und ein echter Bürgermeister in eben dieser Rolle – dem Sondershäuser “Rössl” mangelt es nicht an parodistischen Zügen und persiflierenden Momenten. Wenn sich etwa das Gerücht verbreitet “Der Kaiser kommt”, denkt man heuer natürlich an den Beckenbauer. Kerstin Weiß (Inszenierung), Ronald Winter (Bühne), Jutta Wörne (Choreografie) und Elisabeth Stolze-Bley (Kostüme) haben originelle karikierende Spitzen und Überzeichnungen in der Operette verpackt, die einfach Spaß machen und Unterhaltung bieten.

Gesanglich und mimisch waren die Solisten bei der Premiere gut eingestellt:
Herausragend die Weimarer Sopranistin Juliane Schenk als resolute Rössl-Wirtin Jospeha oder der bayerische Tenor Anton-Leiß-Huber als “verknallter Gockel” und Zahlkellner Leopold. Dem Schauspieler Jens Wassermann, gebürtiger Gothaer, war die Paraderolle des “schönen” Sigismund Sülzheimer geradezu leibgeschneidert. Überzeugend auch der Tenor Helmut Kleinen als mürrischer Frabrikant Giesecke, Thomas Kohl als Kaiser, Tenor Alec Otto als Jurist Siedler “Rechtsanwalt, aber ehrlich”, Sopranistin Juliane Fleming als Ottilie oder Schauspielerin Vanessa Rose als lispelndes Klärchen. Der Nordhäuser Gymnasiast Matthias Kupke gefiel in der Rolle des Piccolo und die Erfurterin Jessika Rieck war als Jodlerin Zensi zu vernehmen.
Der Nordhäuser Opernchor, unterstützt von ausgesuchten Chorsängern aus der Musikstadt, die Ballettkompanie des Theaters Nordhausen und natürlich das Loh-Orchester machten samt Solisten das Sommerfrische-Kultstück mit flotten Tanzryhtmen, schrägen Schuhplattlern, schlagerhaften Schnulzen und pfiffigen Pointen zu einer alles in allem feschen Revue-Operette und zu einem unterhaltsamen Festspiel-Erlebnis. Locker-leichtes Sommertheater eben, das aber beim Publikum stehende Ovationen auslöste und Lust auf Mehr im kommenden Jahr mamcht. Dann gibt es bei den Thüringer Schlossfestspielen Sondershausen Mozarts “Zauberflöte”.
Hier das Video vom Finale:

























