Sondershausen könnte schon bald “Ronald Paris-Stadt” werden
Für die Musikstadt Sondershausen ist Ronald Paris ein “großer Sohn” und der auf dem besten Wege, das Residenzstädtchen im nordthüringischen Kyffhäuserkreis mit seinem - wenn auch inoffiziellen - Namensprädikat zu schmücken: Sondershausen als “Ronald Paris-Stadt”. Im Marstall des Sondershäuser Schlosses ist seit Sonnabend eine große Ausstellung mit 70 Werken aus verschiedenen Schaffensphasen des Malers und Grafikers zu sehen. Bis zum 29. Mai 2008, dann wandert die Ausstellung ‘Ronald Paris - Lob des Realismus - Retrospektive 2008′ den Sommer über nach Schwerin, im Herbst dann nach Potsdam. Das mit der “Ronald Paris-Stadt” aber könnte sich einfach so weiter entwickeln…
Ronald Paris freut sich, dass er in seiner Geburtsstadt Sonderhausen diese Hommage-Ausstellung bekommen hat. Die Sparkassen-Kunststiftung des Kyffhäuserkreises, die Stadt Sondershausen und zahlreiche Sponsoren, darunter Gazprom Germania, haben das ermöglicht. Man sollte nicht vom Lebenswerk Ronald Paris’ sprechen, denn das dürfte noch lange nicht komplett sein. Und angesichts von rund 5000 geschaffenen Werken, darunter viele Wandbilder, ist es auch kaum denkbar, ein solches Lebenswerk in einer allumfassenden Ausstellung zu dokumentieren.
Die Ausstellung ist quasi ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk für den Künstler, der am 12. August 75 Jahre alt wird. Seit 1985 lebt er zwar in Rangsdorf bei Berlin, doch Paris ist immer ein Sondershäuser geblieben, besucht relativ oft die Musikstadt, in der er bereits so einige künstlerische Spuren hinterlassen hat. Nicht nur, dass einige seiner Gemälde in Sondershausen auch unabhängig von der “Retrospektive” zu bewundern sind. Oder das Tryptichon in der Sondershäuser Stadtkirche St. Trinitatis, ebendort, wor Ronald Paris einst getauft wurde.
Der Künstler würde gerne eine große Glas- oder Kirchenfenstermalerei seinem bisherigen Lebenswerk hinzufügen, etwa in der Cruziskirche der Musikstadt. Eine Vision, die wohl schon länger im Kopf ist. Die Cruziskirche ist eine Ruine und das ehemalige Gotteshaus soll zu einem Bürger- und Begegnungszentrum gestaltet werden. Es könnte auch eine starke Kunstkomponente hinzukommen. Nun ist Paris ja eigentlich ein “klassischer” Wandmaler, aber er hat er ist vom Ursprung her eben auch gelernter Kunstglaser und Glasmaler, und die Kunstglaserei Kraus In Weimar, wo er einst (19150) eine Lehre absolvierte, gibt es noch. Da könne er gleich anfangen, verriet er zur Ausstellungseröffnung in Sondershausen.
Ronald Paris ist nicht ein Maler, der sich in seine Kunst weltabgewandt zurückzieht. Er ist ein Mensch, der sich mit dem Zeitgeschehen auseinandersetzt. Man sagt, er sei auch zu DDR-Zeiten des öfteren unbequem und kritisch gewesen. Obwohl er der DDR ja auch mit zahlreichen Auftragswerken gedient hat. Andererseits gab es da eine gewisse Nähe zu Biermann und Havemann - ein Spannungsverhältnis, welches sich auch künstlerisch niedergeschlagen hat.
Einige seiner Werke haben auch noch Jahrzehnte nach dem Entstehen eine geradezu entwaffnende Aktualität: “Gewalt - Traum des Söldners” ist eigentlich eine bittere Anklage, und sie könnte angesichts der Auseinandersetzungen im Irak heute nicht anders ins Bild gerückt werden. Es gibt Leute, die sagen, Paris sei in einigen Bildern seiner Zeit schon immer weit voraus gewesen. Vielleicht ist das der Reiz, die besondere Faszination vieler seiner Bilder, in denen sich auch so manche aktuelle Frage widerspiegelt. Und manchmal holt einen selbst die Geschichte auch einfach ein - “Lob des Kommunismus” titelt ein Wandbild des ehemaligen Hauptamtes für Statistik der DDR in Berlin. Baulich bedingt droht diesem Werk die Abrissbirne, der Zahn der Zeit nagt auch an der Kunst. Doch das “Lob des Realismus” - Titel der aktuellen Ausstellung - dürfte vielleicht der Ansporn dafür sein, in der Musikstadt quasi dem Künstler eine Lebenswerk-Ausstellung zu gönnen, die sowohl eine überaus reizvolle Auseinandersetzung mit der ostdeutschen Historie sein kann als auch ein ganz “einfacher” künstlerischer Impuls mit touristisch-kultureller Anziehungswirkung für die Musikstadt werden könnte. Wünschenswert allemal!


