Musikstadt (music-town-blog)

5. März 2009

Irre, einige Narren machen nach Aschermittwoch locker weiter

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Klar doch, wer die Stimmung beim traditionellen Rosenmontagsumzug  (Bild) erlebt hat, kommt gerne auf die Idee, das könne doch lange so weitergehen. Wer sich auf Karneval oder Fasching einlässt, der hat mental sicher Spass daran, auch losgelöst von den tollen Tagen das närrische Treiben zu pflegen. ABER: die ganz große Masse der organisierten Narren, also derjenigen, die dieses aktiv gestalten, feiert Karneval in der überlieferten Tradition – nämlich zwischen dem 11.11. und Aschermittwoch.

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So mancher Gastronom oder Veranstalter gerät naturgemäß ins Schwärmen, wenn er denn den gefüllten Marktplatz Sondershausen zum Ende des Rosenmontagszuges (Bild aus 2009) sieht und an ein mögliches Geschäft denkt . Das soll ja auch jeder gerne machen, aber bitte während der tollen Tage.  Nicht nur in Nordthüringen (allerdings nur einigen wenigen Orten) auch in anderen region, etwa in Neustadt/Orla, geht es erst nach Aschermittwoch närrisch los – nein weiter. In Neustadt etwa macht der dort ansässige große Karnevalsverein gleich drei närrische Galas an den März-Sonnabenden und anschließend noch ein Garde-Gand-Prix. Und das seit einigen Jahrzehnten. Aus kommerziellen Gründen versteht sich, weil schon zu DDR-Zeiten die Busse mit den geselligen Gästen gerne zu den Veranstaltungen in der Neustädteer Narhalla kamen, wo nur deshalb ein solches Programm nach Aschermittwoch geboten wurde, weil während der „normalen“ Faschingszeit das Publikumsecho wegen der großen Konkurrenz anderer Veranstaltung (und auch wegen der Frauentagsfeiern) zu groß war. Streng genommen hat also diese Art der Feierei in Neustadt/Orla Tradition. Deswaegen gab es auch Ärger mit dem Landesverabdn Thüringer Karnevalsvereine und dem Bund Deutscher Karneval. Dort ist nämlich satzungs- und charta-mäßig festgelegt, dass Karneval nur in der bekannten historischen Zeit zwischen dem 11.11. und Aschermittwoch gestattet ist. Und die Mitgliedsvereine müssen sich dran halten, sonst droht der Verlust der steuermäßigen Begünstigung ihrer Veranstaltung und Einnahmen. Die Duhlendorfer Narren aus Neustadt sind mittlerweile aus dem Landesverabdn und damit aus dem BDK ausgetreten und haben sich der Föderation Europäischer Narren (FEN) angeschlossen. Grund: Die FEN-Satzung ist liberaler, weil europäischer, berücksichtigt auch regionale Bbesonderheiten  und Traditionen. Danach würde wohl die Fortführung der närrischen Tradition aus DDR-Zeiten akzeptiert werden…

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Und was sage ich als aktiver Narr (Bild / aktuell 2009 in der Bütt der Jubiläumssitzung der Gothaer Karnevals Gemeinschaft GKG) dazu. Neustadt ist für mich – zugegeben – ein Grenzfall. Tendenziell bin ich dafür, dass ab Aschermittwoch „Schluss mit Lustig“ im Sinne der Karnevalisten ist. Denn selbst wenn man nicht christlich gebunden bzw. orientiert ist – denn die Zeiten der so genannten 5. Jahreszeit haben überall eben diesen religiösen-historischen Hintergrund, der in Deutschland von der ganz großen Masse der organisierten Narren respektiert und gepflegt wird. Es geht um Brauchtumspflege. Verstoßen Vereine dagegen, dann können sie die Steuervergünstigungen verlieren, die so wichtig für die Vereinseinnahmen aus den Veranstaltungen sind.

Warum ich das eigentlich hier erzähle? Nun – eine Woche nach dem finalen Karnevalswochenende und damit nach Aschermittwoch wurde in der „Wipperperle“ zu den „Highlights des Karnevals“ mit Beteiligung zahlreicher Aktiven aus den organisierten Vereinen eingeladen und gefeiert. Veranstaltungen darf man organisieren, wie man lustig ist, keine Frage. Aber die Aktiven, die sich zum offiziellen Karneval bekennen und dort organisiert sind, dürfen da eigentlich nicht mitmachen, zumindest nicht in ihren offiziellen Kostümen, sprich Gardeuniformen, Ornat etc..  Das alles gehört nämlich nach Aschermittwoch in die Narrenkiste – bis 11.11..

Ich gönne allen ihren Spaß, ihre Lebensfreude. Wer aber nach Aschermittwoch Karnevalsveranstaltungen durchführt, darf als Veranstalter nicht die Steuervergünstigungen dabei in Anspruch nehmen, die wegen der Brauchtumspflege für die organiserten Karnevalsvereine gelten. Das gilt auch für die GEMA-Gebühren. Denn nach Aschermittwoch sind solche Veranstaltungen ganz normale gesellige kommerzielle Veranstaltungen, nennen wir es mal Comedy der alten närrischen Art…

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Da halte ich mich mit meinen närrischen Weggefährten im Karnevalsverein (Hier Aktive des SCC Gelb-Weiß Sondershausen-Stockhausen) und auch in den Verbänden dann doch an gewissen Brauchtums-Regeln. Und bleibe dabei, dass ab Aschermittwoch der Karneval bis zum 11.11. Ruhezeit hat – und trotzdem nicht „Schluss mit Lustig“ sein muss. Einfach in einem Karnevalsverein oder in einem Faschingsclub engagieren, mitmachen,  da ist auch außerhalb der Session Spaß angesagt, aber auch ein bisschen Mitarbeit, denndie schönen Karnevalssitzungen bedürfen monatelanger emsiger Vorbereitung. Ich weiß, wovon ich spreche. Ich bin nämlich aktiv dabei…

25. Januar 2009

Aida Bellem: Piraten am Kyffhäuser – Kreuzfahrt auf dem Narrenschiff

Gespeichert unter: Bendeleben, FEN, Karneval, Kyffhäuser, Narren, Thüringen — luckysultan @ 16:32
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Ein neues Kreuzfahrtschiff hat seine Jungfernfahrt bestanden – die „Aida Bellem“ ist in die närrische Saison gestartet.  „Ein Schiff wird kommen“ sang Petra Liegner beim Stapellauf  der Karnevalisten in der Wipperau am  Fuße des Kyffhäuser. Der Wippertaler Carnevals Club Rottleben-Bendeleben hat seine Sitzungskampagne 2009 mit einer gelungenen Premiere eröffnet – auch wenn Vera Padberg bei dieser Jungfernfahrt fehlte…

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Die Stimmungswogen in der Gemeindeschänke von Bendeleben schlugen am 24. Januar 2009 mächtig hoch, als die närrische Elfer-Crew des WCC mit Kapitän Friedbert  Gärtner die karnevalistische Kreuzfahrt begann. „Wir lagen vor Madagaskar“ hatte doch „Lady Carneval“ Petra Lieger noch behauptet, ehe sie dann im Duett mit Jürgen Müller bemerkelte „Angie ach Angie wie soll es weitergehen?“.

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Der traditionelle Jahresrückblick des WCC befasste sich mit der Banken- und und Wirtschaftskrise, und natürlich war auch in der Wipperau „alles obama“, zumindest was die Zuversicht angeht: „Yes we can“ – ja, wir können es schaffen hieß die Devise. Da wurde sogar der etwas schlaftrunkene deutsche Michel wach und machte sich auf in die Bütt…

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WCC-Vice Ulli Preuße brachte als Michel einmal mehr eine Glanz-Nummer in die Wipperau-Bütt. Er bemängelte in pointierten Versen den schwindelnden Service der Bahn, nahm die Wirtschaft ins Visier, den Althaus mit auf seine närrische Abfahrt, wollte gar am Ende Bad Frankenhausen nach Bendeleben einbürgern – das wäre ein Ding, dann könnte der WCC-Elferrat doch gleich als Stadtrat fungieren. Helau!

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Naja – es gab dann während der Kreuzfahrt Piratentänze und einen Tanz mit den Piraten, denn im Schlauchboot „Royal Cruise“ gingen die Freibeuter diesmal am Horn vom Kyffhäuser auf Jagd: „Wir sind die Macht von Afrika“ behaupteten die Jungs. Aber die wellness-verwöhnte Passagier-Gesellschaft auf der „Aida Bellem“ ließ sich davon bei ihrem Erholungstreiben auf dem Jecken-Dampfer wenig beeindrucken.

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Für Stimmung und abwechslungsreiche Unterhaltung war unter Käpt’n Gärtner jedenfalls gesorgt. Mit dabei die bellem-verschnittenen „Puhdys“ und Michael Hirte, ein Student, der seinHausarbeit machte, ein Männerballett, das sich auf dem Promenadendeck vergnügte, ein Trommler-Korps des WCC, das unter der Regie von Jürgen Müller kräftig was auf die Ohren gab. Die Tratschweiber des WCC steuerten auch ihrer Kreuzfahrt-Klatsch und ein bisschen Zicken-Alarm bei. Cindy von Marzahn will künftig zur „Happy hour“ die Freier an der Dorfstraße anlocken und das Wippertaler Comeday-Urgestein und Original Jürgen Müller bekannte in gewohnter Klamauk-Mimik, dass er wohl der erste gewesen sei, der bei der Nationalhymne jemand zum Tanzen aufgefordert habe…

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Jedenfalls schunkelten sich die WCC-Narren ausgelassen angetörnt durch die Stimmungswogen der Wipper, selbst  Ortsbürgermeister Martin Brückner hatte sich als singender Leichtmatrose in die Kreuzfahrt-Crew der „Aida Bellem“ eingereiht. Allen gefiel es auf dem närrischen Dampfer so gut, dass von Landurlaub in absehbarer Zeit keine Rede sein dürfte. Dafür haben die WCC-Jecken ja auch gar keine Zeit, müssen sie doch bis Aschermittwoch immerhin neun Prunksitzungen – pardon: Karnevals-Kreuzfahrten absolvieren.

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Am Ende der Jungfernfahrt musste Deckoffizier Käptn Friedbert Gärtner von der Brücke des Traumschiffs auf die Bühne absteigen, um als Anerkennung für die Superleistung der gesamt WCC-Crew  von mir den Kampagneorden der Föderation Europäischer Narren (FEN) in Empfang zu nehmen. Weil ich doch dem FEN-Landesvorstand Thüringen angehöre, durfte ich diese Ehrung vornehmen. Zum Finale lud aber Kapitän Gärtner nicht – wie sonst bei Kreuzfahrten üblich – zum Captains Dinner, sondern zum Tanz zur Musik mit Petra und Jürgen Liegner. Hungrig waren die Narren ohnehin nicht, gab es doch in der Pause beim Landgang die wipperau-üblichen Brötchen. Sogar Katerfrühstück wurde angeboten. Ob der Hering aber aus der Wipper kam oder woanders ins Netz ging, blieb bei dieser Kreuzfahrt das Geheimnis…

Übrigens habe ich auf der Homepage der Thüringischen Landeszeitung eine Bildergalerie platziert und in meinem Backstage-Blog einen Beitrag von der närrischen Jungfernfahrt der „Aida Bellem“ des WCC gepostet. Viel Spaß dabei – Helau!

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