
Klar doch, wer die Stimmung beim traditionellen Rosenmontagsumzug (Bild) erlebt hat, kommt gerne auf die Idee, das könne doch lange so weitergehen. Wer sich auf Karneval oder Fasching einlässt, der hat mental sicher Spass daran, auch losgelöst von den tollen Tagen das närrische Treiben zu pflegen. ABER: die ganz große Masse der organisierten Narren, also derjenigen, die dieses aktiv gestalten, feiert Karneval in der überlieferten Tradition – nämlich zwischen dem 11.11. und Aschermittwoch.

So mancher Gastronom oder Veranstalter gerät naturgemäß ins Schwärmen, wenn er denn den gefüllten Marktplatz Sondershausen zum Ende des Rosenmontagszuges (Bild aus 2009) sieht und an ein mögliches Geschäft denkt . Das soll ja auch jeder gerne machen, aber bitte während der tollen Tage. Nicht nur in Nordthüringen (allerdings nur einigen wenigen Orten) auch in anderen region, etwa in Neustadt/Orla, geht es erst nach Aschermittwoch närrisch los – nein weiter. In Neustadt etwa macht der dort ansässige große Karnevalsverein gleich drei närrische Galas an den März-Sonnabenden und anschließend noch ein Garde-Gand-Prix. Und das seit einigen Jahrzehnten. Aus kommerziellen Gründen versteht sich, weil schon zu DDR-Zeiten die Busse mit den geselligen Gästen gerne zu den Veranstaltungen in der Neustädteer Narhalla kamen, wo nur deshalb ein solches Programm nach Aschermittwoch geboten wurde, weil während der „normalen“ Faschingszeit das Publikumsecho wegen der großen Konkurrenz anderer Veranstaltung (und auch wegen der Frauentagsfeiern) zu groß war. Streng genommen hat also diese Art der Feierei in Neustadt/Orla Tradition. Deswaegen gab es auch Ärger mit dem Landesverabdn Thüringer Karnevalsvereine und dem Bund Deutscher Karneval. Dort ist nämlich satzungs- und charta-mäßig festgelegt, dass Karneval nur in der bekannten historischen Zeit zwischen dem 11.11. und Aschermittwoch gestattet ist. Und die Mitgliedsvereine müssen sich dran halten, sonst droht der Verlust der steuermäßigen Begünstigung ihrer Veranstaltung und Einnahmen. Die Duhlendorfer Narren aus Neustadt sind mittlerweile aus dem Landesverabdn und damit aus dem BDK ausgetreten und haben sich der Föderation Europäischer Narren (FEN) angeschlossen. Grund: Die FEN-Satzung ist liberaler, weil europäischer, berücksichtigt auch regionale Bbesonderheiten und Traditionen. Danach würde wohl die Fortführung der närrischen Tradition aus DDR-Zeiten akzeptiert werden…

Und was sage ich als aktiver Narr (Bild / aktuell 2009 in der Bütt der Jubiläumssitzung der Gothaer Karnevals Gemeinschaft GKG) dazu. Neustadt ist für mich – zugegeben – ein Grenzfall. Tendenziell bin ich dafür, dass ab Aschermittwoch „Schluss mit Lustig“ im Sinne der Karnevalisten ist. Denn selbst wenn man nicht christlich gebunden bzw. orientiert ist – denn die Zeiten der so genannten 5. Jahreszeit haben überall eben diesen religiösen-historischen Hintergrund, der in Deutschland von der ganz großen Masse der organisierten Narren respektiert und gepflegt wird. Es geht um Brauchtumspflege. Verstoßen Vereine dagegen, dann können sie die Steuervergünstigungen verlieren, die so wichtig für die Vereinseinnahmen aus den Veranstaltungen sind.
Warum ich das eigentlich hier erzähle? Nun – eine Woche nach dem finalen Karnevalswochenende und damit nach Aschermittwoch wurde in der „Wipperperle“ zu den „Highlights des Karnevals“ mit Beteiligung zahlreicher Aktiven aus den organisierten Vereinen eingeladen und gefeiert. Veranstaltungen darf man organisieren, wie man lustig ist, keine Frage. Aber die Aktiven, die sich zum offiziellen Karneval bekennen und dort organisiert sind, dürfen da eigentlich nicht mitmachen, zumindest nicht in ihren offiziellen Kostümen, sprich Gardeuniformen, Ornat etc.. Das alles gehört nämlich nach Aschermittwoch in die Narrenkiste – bis 11.11..
Ich gönne allen ihren Spaß, ihre Lebensfreude. Wer aber nach Aschermittwoch Karnevalsveranstaltungen durchführt, darf als Veranstalter nicht die Steuervergünstigungen dabei in Anspruch nehmen, die wegen der Brauchtumspflege für die organiserten Karnevalsvereine gelten. Das gilt auch für die GEMA-Gebühren. Denn nach Aschermittwoch sind solche Veranstaltungen ganz normale gesellige kommerzielle Veranstaltungen, nennen wir es mal Comedy der alten närrischen Art…

Da halte ich mich mit meinen närrischen Weggefährten im Karnevalsverein (Hier Aktive des SCC Gelb-Weiß Sondershausen-Stockhausen) und auch in den Verbänden dann doch an gewissen Brauchtums-Regeln. Und bleibe dabei, dass ab Aschermittwoch der Karneval bis zum 11.11. Ruhezeit hat – und trotzdem nicht „Schluss mit Lustig“ sein muss. Einfach in einem Karnevalsverein oder in einem Faschingsclub engagieren, mitmachen, da ist auch außerhalb der Session Spaß angesagt, aber auch ein bisschen Mitarbeit, denndie schönen Karnevalssitzungen bedürfen monatelanger emsiger Vorbereitung. Ich weiß, wovon ich spreche. Ich bin nämlich aktiv dabei…







