Musikstadt (music-town-blog)

14. April 2008

Rentner an die Macht…

Es ist wohl mindestens schon zwei Jahrzehnte her, dass Herbert Grönemeyer seinen Erfolgssong „Kinder an die Macht“ auf den Markt brachte. Inhaltlich ist das natürlich nach wie vor eine gute Botschaft, doch an den aktuellen Schlagzeilen in der Presse und der demografischen Entwicklung kommt ja niemand vorbei. Da wird sogar Angst geschürt, was ich für überzogen und falsch halte. „Rentner an die Macht“ – warum eigentlich nicht. Und überhaupt, wieso schließt eine solche These eigentlich die junge Generation aus? In der Musikstadt wird schon eine geraume Zeit über dieses Thema diskutiert – oder besser: getuschelt…

Und das nicht erst seit Demografiesymposien und den Ideen für das Mehrgenerationenhaus im entstehenden Bürgerzentrum der Ruine Cruciskirche. Natürlich machen sich jüngere Menschen Sorgen über die Zukunft der Musikstadt. Zumal, wenn sie in der Region keinen gescheiten Arbeitsplatz bekommen. Noch nicht, denn dieses Szenario dürfte schon bald Geschichte sein. Dann wird man auch hier händeringend um junge Kräfte buhlen.

Und weil das genau kommen dürfte, sollten sich Betriebe, Vereine und vor allem die politischen Organisationen rechtzeitig darauf einstellen. Konkret: Wenn weniger junge Menschen für Stellen zur Verfügung stehen, wird man aus reinem „Überlebenstrieb“ um eben diese „kämpfen“. Was aber nicht bedeutet, dass alle junge Menschen eben die Ausbildung für den Job haben, der künftig gebraucht wird. Es kommt zu „Anpassungsprozessen“. Und was etwa Hausbesitzer und Vermieter angeht, die werden verstärkt wetteifern, um junge Leute „in die Hütte“ zu bekommen, solche, die auch mal schnell und unbürokratisch zupacken können. Und genau diesen jungen Menschen werden das erkennen, ihren „Marktwert“ nämlich. Sie müssen also nicht bange sein.

Heute haben viele ältere Menschen Angst davor, abgeschoben zu sein, nicht mehr gebraucht zu werden. Und diese Ängste sind ja aktuell auch NOCH berechtigt. Weil die ältere Generation ihre zunehmende und künftige „Machtposition“ noch nicht erkannt hat oder begreifen will. Zugegeben, wer „verbraucht“, abgearbeitet und vielleicht auch krank ist, der möchte im fortgeschrittenen Alter einfach etwas Ruhe und auch Zuwendung haben.

Aber wer noch gut drauf ist (oder sein möchte), der soll und arf das bitte auch zeigen. Wenn gerade die Senioren (oder jene, die das künftig werden) nicht mobilisiert, aktiviert werden, dann hat unsere Gesellschaft schlechte Karten. Vereine und Verbände, die gerade rüstigen Senioren Chancen zur Betätigung geben, diese aktiv einbinden, ihr Know how nutzen, so dazu beitragen, dass sich ältere Menschen willkommen, ja dringend gebraucht vorkommen, werden bei diesen Entwicklung gewinnen – an Mitgliedern und an Einfluss.

Irgendwann werden unsere betagten Mitbürger begreifen, dass es ein Fülle von Aufgaben und Herausforderungen gibt, wo sie noch gebraucht werden, wo sie sich sogar noch profilieren können. Sie werden dann aktiver als heute bemüht sein, ihr Umfeld – Freizeit, Politik, gegenseitige Hilfe – mitzugestalten. Natürlich ist das eine Macht, aber sie ist aufbauend-konstruktiv. Auch aus einer gewissen Not heraus werden sich ältere Menschen organisieren, aber nicht gegen die Jugend, sondern für sich selbst, für die Gestaltung ihrer Freizeit, für die Hilfe untereinander etc. etc. Weil nämlich der Ruf nach Hilfe und Unterstützung sonst immer weniger gehört wird. Ich bin überzeugt davon, dass die künftigen Senioren (und die von heute, die das wollen) das „Kind schon schaukeln werden“. Allerdings wird das mit immer weniger Staat passieren, stattdessen immer mehr Eigeninitiative und Selbsthilfe gefragt sein. Und ich glaube, das das genau eine Chance ist…

31. März 2008

Eine gute Botschaft aus Kinderhand…

In Zeiten, in denen sich Menschen beschimpfen und verachten, in denen zu viel Hass regiert oder verbreitet wird, sollte man sich vielleicht auf diese Botschaft aus Kinderhand besinnen….

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Eine Wandzeichnung in unserer Musikstadt! Eine, auf die man stolz sein darf!

17. März 2008

Matthäus Passion und ein ungewöhnliche Anteilnahme

Es war ein trauriger Anlass und ein bewegender Abschied. Hunderte junge Menschen nahmen Anteil am Tod eines Menschen, der im Alter von 24 Jahren aus ihrer Mitte gerissen wurde: Matthäus. Der war zu Lebzeiten oft Mittelpunkt in ihrer Clique gewesen, wurde in der Trauerrede erinnert. Jedenfalls erlebte die Musikstadt eine merkwürdige Form der Solidarität, eine außergewöhnliche Anteilnahme. Matthäus war wenige Tage zuvor gestorben – unter noch nicht geklärten Umständen, denn am Vorabend seines Todes war der 24-Jährige noch in eine kleine Schlägerei in Stocksen verwickelt gewesen, wo die junge Generation der Musikstadt ihre meisten Musikevents erlebt und ihre Parties feiert…

In der kleinen Stadt im Kyffhäuserkreis wurde und wird in diesen Tagen viel spekuliert und getuschelt. was denn da wirklich passiert sei? Warum diese ungewöhnliche Anteilnahme – Autocorso durch die Musikstadt, die riesige Anteilnahme und immer wieder Fragen nach dem Warum. Die örtliche Tageszeitung stellt sogar eine Bildergalerie mit mehr als 100 Fotos von der Trauerfeier und der Beerdigung ins Web. Anteilnahme auch per Mouse-Click? Da scheiden sich die Geister. Denn die Beerdigung war keine Show-Veranstaltung, keine Inszenierung. das war gelebte Anteilnahme, Solidarität, vielleicht auch die kollektive Verarbeitung eines Schocks. Im Internet gibt es auch ein Party-Forum, wo sich hunderte vor allem junger Menschen im Web tummeln, austauschen, posten, wo es was zu feiern oder zu beklagen gibt. Wo man sich über automobile Pferdestärken und die Musikszene auslässt. Dort ist der Tod des 24-Jährigen aber kein Thema, oder wurde diese „Matthäus-Passion“ von den Administratoren gestoppt und gestrichen? Auch das wirft Fragen auf.

Matthäus soll in der jungen Szene, in der „Clique“, wie die Tageszeitung berichtet, recht beliebt gewesen sein. Lebenslustig, kein Kind von Traurigkeit, Leidenschaft für schnelle Autos, eine Stütze in der Familie und der Mittelpunkt in der Clique. Junge Menschen nehmen auf ihre Art Abschied, wenn es denn sein muss. Riesige Anteilnahme auf dem Friedhof, Trauerkonvoi durch die Musikstadt. Die Erinnerungen bleiben. Auch einige offene Fragen…

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