Musikstadt (music-town-blog)

6. August 2008

Markus L. Frank ist neuer GMD des Lohorchesters

Als stellvertretender GMD und 1.Kapellmeister am Anhaltischen Theater ist Markus L. Frank noch für einige Wochen in Dessau gebunden, doch pünktlich zu Beginn der Spielzeit 2008/09 wird der neue Generalmusikdirektor des Theaters Nordhausen / Loh-Orchesters Sondershausen sich in Nordthüringen seiner neuen Herausforderung stellen. Kürzlich wurde der Nachfolger von Hiroaki Masuda durch Intendant Lars Tietje in seiner neuen Wirkungsstätte, dem „Haus der Kunst“ in der Musikstadt Sondershausen vorgestellt. Der neue Chefdirigent brachte auch gleich Konzertspielplan für die nächste Saison mit, die am 11. Oktober mit dem Sinfoniekonzert mit Brahms und Bartók eröffnet wird. Den Konzerten des Loh-Orchesters werden künftig Themen vorangestellt, so kann sich das Publikum von vornherein auf die jeweilige „Stimmung“ einstimmen. Wohlwissend dass es nicht leicht sei, in die „Fussstapfen“ seines sehr beliebten Vorgängers Masuda zu treten, wolle er sich mit dem Orchester „zusammenraufen“ und gemeinsam wolle man dann an den Stücken wachsen, kündigte Frank gestern an. Das Loh-Orchester kennt der gebürtige Württemberger aus Schwäbisch Hall bereits, denn in den neunziger Jahren bestritt er als Solist und Hornist ein Neujahrskonzert in der Musikstadt, und vor einigen Monaten dirigierte er das Ensemble.
Frank studierte an der Musikhochschule in Detmold, war überaus erfolgreicher Hornist bei internationalen Wettbewerben und schließlich beim NDR-Symphonieorchester in Hamburg engagiert. Doch er wollte mehr, absolvierte sein Dirigierstudium bei Prof. Seibel in der Hansestadt mit Auszecihnung, kam über die Oper Kiel schließlich nach Dessau. Einen Namen hat er sich auch durch zahlreiche Gastverpflichtungen etwa an der Staatsoper Hannover oder der Deutschen Oper Berlin gemacht. Mit dem Lohorchester Sondershausen möchte er künftig unterschiedliche Klangstile erfolgreich erarbeiten und gestalten. Die kontinuierliche Arbeit mit dem Orchester sei eine große Herausforderung, die in reize. Und über seine Kontakte zu verschiedenen bekannten Solisten wolle er einige davon auch für Konzertein Nordhausen und Sondershausen gewinnen, kündigte Frank an, der sich unter mehr als 100 Bewerbern für die GMD-Stelle in einem Auswahlverfahren profiliert und durchgesetzt hatte. Im Musiktheater und Konzertwesen setzt der verheiratete Familienvater und passionierte Hobbykoch besonders auf die Jugend, will – wie schon in Dessau – Workshops mit Schülern und Lehrern organiseren, um junge Menschen für dieses Musikszene zu begeistern.

Dem Publikum wird sich Markus L. Frank in der neuen Position erstmals in der festlichen Operngala zum Spielzeitbeginn am 5. September im Achteckhaus Sondershausen und am 6. September im Theater Nordhausen vorstellen. Außerdem wird er in der Spielzeit 2008/2009 die musikalische Leitung der Opern „Hoffmanns Erzählungen“ (Premiere am 26. September 2009) und „Don Giovanni“ (Premiere am 15. Mai 2009) sowie des Balletts „Romeo und Julia“ (Premiere am 24. Oktober 2008) übernehmen. Die Konzertsaison des Loh-Orchesters wird er am 11. und 12. Oktober 2008 mit Johannes Brahms’ Klavierkonzert Nr. 1 d-Moll, op. 15, und Béla Bartóks Konzert für Orchester eröffnen.

14. Juli 2008

Feinkost im Schloss – aber die Geschmäcker sind halt verschieden…

Rossini-Renaissance in der Musikstadt: Die 3. Schlossfestspiele Sondershausen feierten Premiere. Mit „La Cenerentola“ hat sich das Festspielensemble unter der Obhut des Theaters Nordhausen und des Lohorchesters eine nicht gerade leichte Inszenierung auf die Schultern gepackt. Denn die Märchenoper fordert eigentlich den Interpreten mitunter gewaltige geradezu artistisch-gesangliche Interpretationen ab, für die bei den Schlossfestspielen Sondershausen zum Einsatz kommenden Nachwuchstalente nicht gerade ein leichte Aufgabe…

Es liegt in der Natur der Sache, dass bei solchen Ereignissen die Kritiker nicht einer Meinung sind. Weil die jeweiligen Blickwinkel doch verschiedenen sind. Für meine TLZ habe ich einen unterm Strich doch recht positiven Bericht über die Premiere geschrieben, obwohl es durchaus auch Dinge gab, um mehr oder weniger heftig zu kritisieren. das „Fallbeil“ des Kritikers musste ich nicht herausholen, denn es war alles in allem eine recht gefällige Inszenierung, die auch überwiegend dem Publikum gefiel. Und bei den Interpreten handelt es sich um Nachwuchstalente, zudem ist eine Open-Air-Veranstaltung immer unter den normalen Unzulänglichkeiten „unter freiem Himmel“ zu betrachten…

Vielleicht einfach hier meine zusammenfassende Bewertung (So habe ich sinngemäß in der TLZ geschrieben, alllerdings ist die Zeitungsfassung kürzer):

Das Feuerwerk über der nächtlichen Schlosskulisse am Ende der Aschenbrödel-Premiere hatte Symbolcharakter: Ein Feuerwerk der Gefühle war vom Ensemble der 3. Schlossfestspiele Sondershausen mit der Premiere von Rossinis Märchenoper „La Cenerentola“ glanzvoll und stimmungsgeladen in Szene gesetzt und ausdrucksstark interpretiert worden. Das Festspielensemble und das Loh-Orchester unter Leitung von Frank Obermair servierten im schmucken Ambiente des Schlosshofes der Residenzstadt musikalische Feinkost aus der italienischen Belcanto-Küche. Die Geschichte von dem tugendhaften Aschenbrödel, das aus dem derben Küchenalltag heraus seinen Prinzen bekommt und als Heldin aus der Asche in den fürstlichen Glanz aufsteigt, war das Rezept, welches das Premierenpublikum mit Begeisterung und anhaltendem Applaus quittierte.

Die Rossini-Renaissance liegt im Trend. Und die Inszenierung von Holger Pototzki, aktuell Operndirektor am Theater Magdeburg, mit überzeugenden internationalen Interpreten, durchweg hochkarätige Nachwuchstalente, vor der märchenhaften Schlosskulisse gelang. Gelungen waren die grotesk überzogenen Gegensätze zwischen dem auf großem Fuße lebenden Adel und dem kleinbürgerlichen Schattendasein bei eher minimalistischer Bühnenausstattung (Frank Olle) herausgearbeitet. In diesem Spannungsfeld brachte das Loh-Orchester Sondershausen die Musik Gioacchino Rossinis leicht und spritzig rüber. Die Höflinge – Männerstimmen des Theaters Nordhausen, unterstützt von ausgesuchten Laiensängern aus Sondershausen, – folgtem dem turbulenten Treiben am Hofe recht souverän.

Die musikalische Herausforderung, in einer manchmal fast artistischen gesanglichen Interpretation Gefühle und dramatisch wie komische Zuspitzungen auszudrücken, gelang den jungen Solisten doch schon sehr überzeugend. Überragend für mich – in der Maßstäblichkleit – die Mezzosopranistin Karita Jungar als „Aschenputtel“Angelina und nicht minder überzeugend der Tenor Karol Cieplucha in der Prinzenrolle des Don Ramiro. Amit Friedman (Bass) gefiel in der tolpatschigen Rolle des schuld(en)beladenen Hausherrn Don Magnifico. Sandra Spiess (Sopran) und Katharina Heiligtag (Mezzosopran) brachten ihre Rollen als nervig-gackernde und rivalisierende Töchter Clorinda und Tisbe in guter Buffa-Manier, und auch die Bassisten Sebastian Campione (Alidoro) und Robert Christian Merwald (Kammerdiener Dandini) gefielen mit ihren Interpretationen. Einfach schön und flexibel bedienten die Solisten die Koloraturen, machten einige Arien, Duette und Terzette aus der Rossini-Küche zur musikalischen Feinkost.

Das Crescendo drohenden Gewitters blieb dem Premierenpublikum erspart – die Crescendi Rossinis und die des finalen Feuerwerks wurden genossen und lohnendem Beifall quittiert. Zugeggeben, die Technik hätte noch besser sein können, das Wetter sowieso. Die Leistung des Ensembles fand ich „unterm Strich“ respektabel. Das Publikum war ohnehin überwiegend sehr zufrieden, ja sogar begeistert. Wahrscheinlich wird es Kritiker geben, die mit der Gesamtleistung nicht so zufrieden sind, weil sie die Messlatte der eher großen Häuser und der erfahrenen Interpreten anlegen. Ich werde eine solche allzu strenge Bewertung nicht teilen, weil diese am Ende derartige Projekte wie die Schlossfestspiele Sondershausen kaputt macht. Wer unterhaltende Kultur in der Region erhalten möchte, der darf sie nämlich im Kern nicht verbal „platt-machen“ und eben nicht seine eigenen Eitelkeiten befriedigen.

Deshalb bleibe ich dabei: Im Schloss Sondershausen wird bei den Schlossfestspielen auch 2008 musikalisch italienische Feinkost geboten. Für die Musikstadt jedenfalls eine Bereicherung, ohne die die Musik- und Theaterszene Nordthüringens – verdammt dünn ausschauen würde…

Übrigens soll im nächsten Jahr die musikalische Reise der Schlossfestspiele Sondershausen fortgesetzt werden, Ralph Benatzky steht dann auf dem Programm: „Im weißen Rössl“ …(Vom 3. bis 18. Juli 2009)….

28. Mai 2008

La Cenerentola will die Musikstadt erobern


In der Musikstadt Sondershausen haben jetzt die Proben für die dritten Schlossfestspiele begonnen, die vom 11. Juli bis zum 26. Juli 2008 im schönen Ambiente des Schlosshofes aufgeführt werden. Inszeniert wird in diesem Jahr die märchenhafte Oper „La Cenerentola“ („Aschenbrödel“) von Gioacchino Rossini. Auch im dritten Jahr des sehr beliebten Sommerereignisses setzen die Stadt als Gastgeber und das Theater Nordhausen / Loh-Orchester Sondershausen als Veranstalter auf hochkarätige Nachwuchstalente, überwiegend Absolventen deutschsprachiger Musikhochschulen. Mehr als 200 Bewerbungen gab es für die einfach zu besetzenden sieben Partien. Mehr als siebzig junge Künstler mussten sich persönlich beim Vorsingen vorstellen. Nun ist die Auslese in der Musikstadt gegenwärtig, hat in dieser Woche die Probenarbeit aufgenommen.

Karita Jungar (Bild) etwa hat am ersten Probentag vorsorglich die Schuhe probiert, denn die junge Künstlerin aus Basel (Schweiz) wird die Rolle der Angelina, des „Aschenbrödels“, verkörpern und interpretieren. Unter der Regie von Holger Pototzki und der musikalischen Leitung von Frank Obermair werden die „gecasteten“ Talente – eigentlich mag man im Theater Sondershausen / Loh-Orchester Sondershausen den Begriff „Casting“ nicht so heftig, obwohl er natürlich auf „Neu-Deutsch“ das Auswahlverfahren auch beschreibt und keineswegs abwertet – nun bis zur Premiere eifrig die komplette Opernproduktion erarbeiten. Es wird wohl ein hartes Stück Arbeit, denn wie Intendant Lars Tietje zu Beginn der Probenarbeit einräumte, ist die Rossini-Oper für die jungen Künstler eine mutige Herausforderung. Sehr schöne und flexible Stimmen seien nötig, um das „Aschenbrödel“ überzeugend auf die Bühne zu bringen.

Von den sieben Sängerinnen und Sängern sind nach meinem Wissensstand keine aus Thüringen. Sie kommen aus verschiedenen Ländern, etwa aus Finnland und der Schweiz, aber auch aus Berlin, München oder Frankfurt, zumindest, was ihre Musikhochschul-Heimat betrifft. Kost und Logis haben diese Nachwuchskünstler bis zum Ende der Festspiele in Sondershausen frei, sind in einem Gästehaus der Musikstadt untergebracht, bekommen lediglich ein „Taschengeld“, können sich neben der Opernproduktion aber in Workshops auf ihre weitere Bühnenkarriere vorbereiten und ansonsten den Aufenthalt in der Musikstadt genießen.

Hier zur Besetzung und zu den Verantwortlichkeiten des Festspielensembles. Frank Olle ist für die Bühne zuständig, Elisabeth Stolze-Bley für die Kostüme. Anne-Kristin Schmidt obliegt die Organisationsleitung, außerdem sind mit „im Boot“: Johannes Merkle (Korrepetition / musikalische Assistenz), Christine Bossert und Anne Uthleb (Regieassistenz /Inspizienz). Und Lars Tietje ist als Intendant des veranstaltenden Theaters Nordhausen / Loh-Orchesters Sondershausen ohnehin in der Gesamtverantwortung..

Nicht zu vergessen aber die Nachwuchstalente, die nun ihre Partien einstudieren müssen und dann ab Mitte Juli hoffentlich im Schlosshof begeistern: Karol Cieplucha (Don Ramiro, Prinz von Salerno – im Bild oben wird er gerade vermessen), Robert Christian Merwald (als Diener Dandini), Armin Friedman (Baron Don Magnifico), Sandra Spiess (Clorinda), Katharina Heiligtag (Tisbe), Sebastian Campione (Alidoro, Philosoph und Lehrer des Prinzen) sowie Karita Jungar als Stieftochter Angelina und somit als „Aschenbrödel“..

Im schönen Ambiente des Sondershäuser Schlosshofes werden die Open-Air-Aufführungen der Rossini-Oper ab 11. Juli 2008 zu sehen und zu hören sein.

Sondershausens Bürgermeister Joachim Kreyer und Intendant Lars Tietje begrüßten zum Probenauftakt das Festspielensemble, das sich nun finden muss, profilieren soll. Schließlich gilt es in Sondershausen, an eine langjährige Musiktradition anzuknüpfen. Gleich an diesem Wochenende können übrigens die Sängerinnen und Sänger die Nordthüringer Kreisstadt mit der Musik- und Bergbautradition etwas von der angenehmen Seite näher kennenlernen, ohne sich dabei schon selbst profilieren zu müssen – vom 30. Mai bis zum 1. Juni wird in Sondershausen das Residenzfest gefeiert. Es ist das siebte, sieben Nachwuchstalente bereits sich auf ihre Partien im „Aschenbrödel“ vor und die Sieben ist eine Glückszahl, wenn das nicht günstige Aussichten sind…..

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